Theater einmal anders... Sloughis tanzen Ballett von Romina Schritt
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Vor etwa einem Jahr hätte ich nicht
einmal sagen können, wer oder was "Giselle" überhaupt ist.
Nun war ich schon ungefähr 24mal in dem Stück, denn ich bin Statist.
Was vielleicht für manchen ungewöhnlich erscheint, denn ich gehe noch
zur Schule. Statist zu sein ist nicht schwer. Ca. eine Viertelstunde
nach Beginn des Stückes kommt die Jagdgesellschaft, bestehend aus 6
Hofdamen und -herren, 2 Wildschweinen, dem Prinzen von Kurland, seiner
reizenden Tochter und last but not least meiner Schwester Melanie und
mir mit insgesamt 5 unserer Hunde auf die Bühne.Angekommen auf der
Bühne und in Position gebracht, verweilen wir für ungefähr eine halbe
Stunde, in der wir den Bauersleuten zuschauen. 1. Wie verhalte ich mich auf der Bühne? 2. Wie schminke ich mich richtig? 4. Wie bekomme ich die Hunde dazu, auf
der Bühne so ruhig zu bleiben? Dann hatte ich noch meinen Platz auf der Bühne zu finden und es konnte losgehen. Am Abend der Premiere wurde man überhäuft von Glückwünschen und toi,toi,tois von Mitgliedern des Ensembles. Die Premiere im Wiesbadener Staatstheater überstand ich mit viel Herzflattern und gespannter Neugierde. Herzflattern wegen des Publikums. Es war am Anfang schon ungewöhnlich, vor so vielen Personen auf der Bühne zu stehen und ihnen vorzuspielen, eine Andere zu sein. Immerhin passen ins "Große Haus" des Theaters über 1200 Personen hinein. noch interessanter ist es aber hinter der Bühne. Wie ist die Stimmung und wie verhalten sich die Akteure persönlich?
Das Thema "echte Hunde am Theater" war anfangs von vielen etwas kritisch betrachtet worden, weil sie sich nivht vorstellen konnten, dass die Hunde nicht bellen oder aufgeregt herumspringen. Doch längst sind die Sloughis zum festen Bestandteil von "Giselle" geworden, die, wie alle anderen auch, ihre Gage erhalten. Unsere tapfere Crew besteht aus: Platon, Vashima, Kamal, Chimara und Orani. Ersatzhunde sind noch: Taban, Latafa und Nadida. Alle von ihnen lieben es geradezu, auf die Bühne zu gehen und sich zu präsentieren. Meistens legen sie sich, auf unserem Platz angekommen, irgendwann hin, schließen die Augen und lauschen der Musik. Man muss sagen, dass sie von Anfang an sehr souverän aufgetreten sind und gar keine großen Probleme hatten, sich an alles zu gewöhnen. Was uns zugegeben auch ein wenig überraschte. Besonders befürchteten wir, dass die Hunde vor dem (präparierten) Wildschwein, das mit der Jagdgesellschaft auf die Bühne getragen wird, abgelenkt würden. Doch nach eingehendem Schnuppertest war das Wildschwein nicht mehr so interessant, wie es von weitem aussah. Ich erinnere mich immer wieder gern an einer der ersten Proben: Die Hunde waren gerade richtig aufgekratzt und wollten überall hin, ich war damit beschäftigt, sie überhaupt an der Leine zu halten. Da ruft doch der Regisseur durchs Mikro, dass er es gut fände, wenn sich die Hunde jetzt setzten würden. Was sollte von mir anderes kommen als ein gequälter Blick? Ich kenne doch meine Hunde! Hoffnungsvoll schaute ich an mir herunter auf Platon, der zu sagen schien: "Ich soll "Sitz" machen? Vergiss es, ich sehe hier weder einen Sessel noch ein weiches Fell zum Liegen. Aber wenn du mich loslässt, würde ich mich auf den Schoss der Frau da vorne setzten... Oje... Es mehrere ganz lustige Sachen passiert, aber es würde zu lange dauern, sie alle zu erzählen.
Eine davon war so: Mittlerweile haben wir auch 8 Gastauftritte im Darmstädter Staatstheater absolviert. Dieses Gebäude ist mindestens fünfmal verwirrender als das in Wiesbaden. Verzweifelt fragt man Tänzer nach dem Weg und merkt, das diese nur Russisch sprechen. Doch auch Darmstadt haben wir gut überstanden. Und nun, nach 24 Vorstellungen, ist jeder Auftritt Routine geworden, d.h. man hat kein Lampenfieber mehr, aber mindestens genauso viel Spaß wie immer!
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(Veröffentlicht Dez. 98 im der Zeitschrift Unsere Windhunde)
Das "Schuru-esch-Schams -Ensemble" war
1998/1999 im Staats-Theater in Wiesbaden zu sehen, als Bestandteil der adligen
Jagdgesellschaft des Prinzen von Curland in dem romantischen Ballett GISELLE.
Viele Sloughi-Besitzer haben sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen.
Nachfolgend zwei Bilder von einer Aufführung in Wiesbaden (Fotos: Müller)

